Filmveranstaltungen mit Selbsthilfegruppen

Filmabend zum Thema "Leben mit Hirntumor" am 22.9.2015: „Hilfe annehmen können ist wichtig!“

So eine der zentralen Botschaften der Diskussion im Rahmen des Film- und Vortragsabends, den das Heidelberger Selbsthilfebüro am 22.9.2015 im Karlstorkino veranstaltet hatte.
Thema des von der AOK Baden-Württemberg unterstützen Abends war "Leben mit Hirntumor".

„Wir wollen mit dieser Veranstaltung Verständnis für die Situation von Betroffenen und ihren Angehörigen wecken. Ihnen gilt es, Mut zu machen, bei einer solch schweren Erkrankung einen eigenen Weg des Umgangs und die beste Lebens- und Versorgungsform zu finden.“, so die Moderatorin Christina Reiß, Mitarbeiterin des Heidelberger Selbsthilfebüros, bei der Begrüßung.

Der preisgekrönte Film "Halt auf freier Strecke" zeigte auf sehr berührende und realistische Art, wie ein Glioblastom, die schwerste Form eines Hirntumors, innerhalb kurzer Zeit zu Persönlichkeitsveränderungen und extremen körperlichen Beeinträchtigungen beim Familienvater Frank führt.

Dass es auch anders gehen kann, zeigte Martin Freudenstein von der Selbsthilfegruppe Hirntumor auf, der seit 18 Jahren von einem (anderen) Hirntumor betroffen ist. Auch Angehörige sind in der Selbsthilfegruppe vertreten: „Meine Frau und ich haben erst nach ihrem Rezidiv gelernt, wie wichtig es ist, Hilfe annehmen zu können!“ so Bernd Kokoschke.
Für ein gutes Hilfenetzwerk plädierte auch Anette Brechtel, Leiterin der Psychoonkologie am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen Heidelberg. Sie stellte ANKKER, ein Unterstützungsangebot für die Kinder von krebserkrankten Elternteilen, vor. „Bei uns stehen die Kinder einfach mal im Mittelpunkt – sie müssen ja in einer solchen Situation sehr oft zurückstecken!“. Manche Kinder reagieren mit Verhaltensauffälligkeiten, andere verarbeiten es gut und wieder andere werden besonders unauffällig: „Um die muss man sich am meisten kümmern, die fallen sonst hinten runter“, so die Fachfrau.
Ein weiterer wichtiger Baustein in einem funktionierenden Netzwerk ist Pflege und Assistenz. HABITO, ein Assistenzdienst, stellte seine Angebote vor, die rund um ihre inklusive Begegnungsstätte angesiedelt sind - „Unser Herzstück“, so Anna Krämer. Mit diesem Konzept wurde HABITO übrigens einer von acht Preisträgern des Landesinklusionspreises Baden-Württemberg 2014.
Dr. Giordano plädierte für Nachsicht mit dem Arzt im Film, der in suboptimaler Weise die Diagnose überbrachte. „Im Klinikalltag ist es oft sehr schwer, die richtige Atmosphäre herzustellen und wir Ärzte sind oft auch nicht besonders gut auf das Überbringen schlechter Nachrichten vorbereitet“, so der Strahlentherapeut. Er erläuterte noch die Unterschiede zwischen gut- und bösartigen Tumoren – „eine künstliche Trennlinie, die man in der Praxis so nicht vorfindet“. Und er sprach sich vehement dagegen aus, Prognosen zur Lebenserwartung zu machen. Martin Freudenstein sei ein gutes Beispiel dafür, dass die oft nicht stimmten – mit dieser Mut machenden Botschaft endete der Abend.
 

(CR)

Letzte Änderung: 24.09.2015